[Gastbeitrag] Einblick in die Panoramafotografie

avatar Heute darf ich auf Visual-Dreams.de den ersten Gastbeitrag prĂ€sentieren. Philipp, der Betreiber der Webseiten Panoramaleben.de und trail of views befasst sich vor allem mit interaktiven Panoramen Fotos. Heute also ein informativer Einblick in diese Materie um euch die ersten Schritte etwas zu erleichtern. Nun hat also Philipp das Wort 😉

 

VerstĂ€ndlicherweise werde ich des Öfteren gefragt, wie die Panoramabilder auf meiner Seite entstehen, welche AusrĂŒstung und Software man dafĂŒr benötigt. NatĂŒrlich gibt es im Internet viele Anleitungen zu diesem Thema und meist verweise ich auch auf diese, weshalb es jetzt höchste Zeit fĂŒr diesen Artikel ist. Zur Aufnahme der Bilder werde ich keine genaue Anleitung schreiben, sondern eher auf die benötigte AusrĂŒstung bzw. die von mir verwendete AusrĂŒstung eingehen. Detaillierter werde ich die kostenlose Software Hugin beschreiben, mit welcher ich die aufgenommenen Einzelbilder zu einem Kugelpanorama zusammensetze.

AusrĂŒstung

Kamera und Objektiv

Beginnen wir also zunĂ€chst mit der AusrĂŒstung und erwartungsgemĂ€ĂŸ mit der Kamera. GrundsĂ€tzlich kann man mit jeder (digitalen) Kamera Kugelpanoramen erstellen, also auch mit einer herkömmlichen Kompaktkamera. Allerdings sind bei lĂ€ngeren Brennweiten mehr Einzelbilder notwendig. Das kann etwa bei sich bewegenden Motiven beim Zusammensetzen der Bilder Probleme geben. Auch beim Himmel kann es zu Schwierigkeiten kommen, da die Software bei komplett blauen Bildern keine Gemeinsamkeiten findet und diese dann nicht zusammensetzen kann. Meist wird das Zusammensetzen der Einzelbilder zu einem Panorama als „stitchen“ bezeichnet (eng. to stitch – nĂ€hen). Ich selbst habe aber lange Zeit mit einer Bridgekamera fotografiert bis ich zu einer Spiegelreflex gewechselt bin. Einsteigern wird oft gleich der Kauf eines Weitwinkel- oder Fischaugenobjektivs empfohlen. Solche Objektive kosten aber eine Menge Geld, weshalb sich eine Anschaffung am Anfang eigentlich nicht lohnt. Bei einem Fisheye sind fĂŒr ein komplettes Panorama nur etwa vier bis acht Bilder notwendig, was das Fotografieren und die spĂ€tere Bearbeitung natĂŒrlich erheblich erleichtert aber eigentlich als Luxus einzustufen ist. Ich selbst fotografiere mit einer Pentax K200D und passendem Fisheye (10-17mm).

Nodalpunktadapter

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Kleine interaktive Mitmachaufgabe: Man schließe ein Auge und halte vor das geöffnete in etwa 10 bis 20 Zentimeter Abstand einen Finger (oder Stift oder sonstwas). Wenn man nun den Kopf dreht, wird man feststellen, dass sich der Hintergrund zum Finger verschiebt. Damit das nicht der Fall ist, mĂŒsste man das Auge soweit nach hinten versetzen dass es am Drehpunkt des Kopfes liegt. Genau das gleiche ist auch beim Schwenken der Kamera der Fall. Die Software wird spĂ€ter durch den verschobenen Hintergrund Probleme haben die Einzelbilder vernĂŒnftig zusammenzusetzen. Daher gibt es den so genannten Nodalpunktadapter. Man kann sich einen solchen Adapter fĂŒr wenige Euro selbst bauen oder auf fertige Lösungen wie etwa den Panosaurus oder den Nodal Ninja zurĂŒckgreifen (um nur zwei Adapter zu nennen, es gibt noch zahlreiche weitere). Ersterer ist gĂŒnstiger, dafĂŒr schwerer, grĂ¶ĂŸer und unkomfortabler. Letzterer kostet mehr, ist klein und leicht und bietet zum Beispiel so genannte Klickstopps, so dass der Panoramakopf beim Drehen automatisch bei festen Gradzahlen einrastet. Wie beim Fisheyeobjektiv kann man hier also auch in Luxus investieren oder eben die einfachere Variante nehmen. Durch den Gewinn eines Nodal Ninjas 3 bei einem Panoramawettbewerb wurde mein Panosaurus glĂŒcklicherweise abgelöst.

Stativ

Hier sollte man sich gleich was ordentliches anschaffen (wenn man sowieso schon fotografiert). GĂŒnstige Stative fĂŒr 20 Euro sind viel zu wackelig, so dass sich etwa ein Dreibein vom Typ Manfrotto 190 eher lohnt. Da meine Panos meist draußen entstehen verwende ich mittlerweile aber ein leichteres Einbeinstativ, was das zu tragende Rucksackgewicht und auch die Aufbauzeit enorm verkleinert. FĂŒr den Anfang ist ein Dreibein aber sicherlich besser, da man mehr mit dem Fotografieren selbst beschĂ€ftigt ist und sich nur schwer auf das korrekte Halten des Einbeins konzentrieren kann. Zum Stativ fehlt noch der passende Stativkopf, hier reicht meiner Meinung nach ein einfacher Kugelkopf zur Ausrichtung der Kamera bzw. des Nodalpunktadapters. Damit wĂ€re die PanoramaausrĂŒstung komplett und man kann mit dem Fotografieren beginnen.

Fotografieren

Automatik aus. Bei der Panoramafotografie ist es wichtig, dass alles manuell fest eingestellt ist, wie etwa Belichtungszeit, Blende, Weißabgleich, ISO und Fokus. Andernfalls wird das spĂ€tere Resultat nicht zufriedenstellend sein. Am schwierigsten ist es die richtige Belichtung zu wĂ€hlen. Da wir ja in alle Richtungen fotografieren, haben wir auf der einen Seite gleißendes Sonnenlicht und auf der anderen Seite vielleicht dunkelsten Schatten. Da ich hier jetzt nicht auf Belichtungsreihen, HDR oder Ă€hnliches eingehen will, mĂŒssen wir versuchen einen geeigneten Mittelwert zu finden. Mit ein bisschen Übung und Probieren sollte das aber gelingen. Die Einzelbilder werden so aufgenommen, dass sie sich ausreichend, etwa zu 20-30%, ĂŒberlappen. Bei einer lĂ€ngeren Brennweite sind dafĂŒr mehrere Reihen notwendig, bei kĂŒrzeren reicht eine Reihe sowie ein Himmel- und ein Bodenbild. FĂŒr das Bodenbild wird das Stativ entfernt und die Kamera Freihand etwa in der richtigen Position ausgelöst. Bei unregelmĂ€ĂŸigen UntergrĂŒnden wie Fels sollte es spĂ€ter problemlos möglich sein, auch den Boden zusammenzusetzen. Bei regelmĂ€ĂŸigen BelĂ€gen wie etwa Fließen ist spĂ€ter leider Nacharbeit nötig. Daher zuerst mal draußen fotografieren.

Zusammensetzen – Anleitung Hugin

Die Einzelbilder setze ich mit der kostenlosen Software Hugin zusammen. Nach dem Starten von Hugin mĂŒssen zunĂ€chst die Einzelbilder hinzugefĂŒgt werden. Dies geschieht entweder per Drag&Drop oder ĂŒber die SchaltflĂ€che 1. Bilder laden…

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Anschließend muss der Objektivtyp und ggf. Brennweite und Formatfaktor eingegeben werden.

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Unter dem Register Bilder finden wir nun die Einzelbilder. Wir klicken auf die SchaltflÀche Kontrollpunkte erstellen.

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Hugin sucht nun die gemeinsamen Punkte der Einzelbilder. Je nach Anzahl der Bilder und Rechnerleistung kann dieser Vorgang einige Zeit in Anspruch nehmen. Anschließend öffnet sich ein Dialogfenster, welches wir mit OK bestĂ€tigen.

Unter der Registerkarte Kontrollpunkte sehen wir nun die gefundenen Kontrollpunkte.

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Kontrollpunkte lassen sich löschen, verschieben und hinzufĂŒgen.

Als nĂ€chstes ist der Schritt Optimieren an der Reihe, welchen wir unter dem gleichnamigen MenĂŒpunkt finden. Wir wĂ€hlen dazu Ausrichtung (inkrementell, vom Anker beginnend) und klicken auf Optimierung starten.

Das BestÀtigungsfenster im Anschluss der Optimierung mit dem Ergebnis bestÀtigen wir mit Ja.

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Zu weiteren Optimierungszwecken empfiehlt sich die Kontrollpunktetabelle, welche sich ĂŒber F3 oder ĂŒber das MenĂŒ Ansicht aufrufen lĂ€sst. Ich sortiere hier die Punkte nach Abstand und lösche zunĂ€chst alles mit Werten ĂŒber 100. Weitere hohe Zahlen schaue ich mir kurz an und lösche ggf. falsche Punkte.

Als nĂ€chstes fĂŒhren wir noch einmal den Optimierer aus, zunĂ€chst mit Ausrichtung (inkrementell, vom Anker beginnend) und dann noch Alles.

Dann öffnen wir das Vorschaufenster, entweder ĂŒber die Symbolleiste oder unter Ansicht.

Hier können wir nun ggf. Bilder vom folgenden Stitchingprozess ausschließen und mit der linken Maustaste den Bildmittelpunkt festlegen. Sinnvoll ist zudem noch ein Klick auf Ausrichten, was den Horizont begradigt.

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Anschließend optimiere ich das Bild noch einmal. Dann geht es schon ans ZusammenfĂŒgen. Unter diesem MenĂŒpunkt können wir verschiedene Einstellungen vornehmen und klicken dann auf Jetzt zusammenfĂŒgen!

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Nun nur noch den Speicherort auswÀhlen, den Dateinamen eingeben und auf Speichern klicken. Der jetzt folgende Stitchingvorgang nimmt etwas Zeit und Rechnerleistung in Anspruch.

Anschließend erhalten wir unser sphĂ€risches Panorama, welches wir lokal zum Beispiel mit dem DevalVR player betrachten können.

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Nachbearbeitung und Export

Hugin liefert das fertige Panorama als aufgeklappte Kugel, also wie eine Weltkarte bei der es dann natĂŒrlich zu Verzerrungen im oberen und unteren Bereich kommt. Mit einer Bildbearbeitungssoftware wie Photoshop oder Gimp kann man etwaige Fehler im mittleren Teil aber schon korrigieren. HierfĂŒr sind einfache Grundkenntnisse wie das Arbeiten mit Ebenen und Klonen von Nöten. Um Stitchingfehler im Bodenbild zu beheben oder dort einen Schriftzug oder ein Logo einzufĂŒgen, ist es notwendig, das Kugelbild in WĂŒrfelflĂ€chen zu exportieren/konvertieren. Ich verwende dafĂŒr Pano2QTVR. Das Programm ermöglicht es zudem, das Bild im Quicktimeformat zu speichern.

Linkliste

Zum Abschluss noch einige Internetseiten, auf denen man das Thema vertiefen kann.

Ältere aber gute und systematische Anleitung zum Erstellen eines Panoramas

Informationen zum Nodalpunktadapter und Kugelpanoramen

AusfĂŒhrliches Hugin-Tutorial

Schritt-fĂŒr-Schritt-Video und weitere Tipps (engl.)

Panorama-Community: Forum zur Panoramafotografie

3 Antworten auf „[Gastbeitrag] Einblick in die Panoramafotografie“

  1. Pingback: panoramaleben.de

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